11.09.2010
Nach dem Frühstück, das nach italienischem Standard super toll war, fahre ich Richtung Luccera. Ich fühle mich wieder super gut und fit. Bis auf die Schuhe ist alles über Nacht getrocknet. In Luccera decke ich mich mit Lebensmitteln ein (Euro Spar). Eine Polizeikontrolle wird vor dem Spargelände aufgebaut. Mir ist schon etwas schauerlich, da die Polizisten Ihre schusssicheren Westen anziehen und die MP's "auspacken" . Ich frage mit meinem wenigen Italienisch, ob es denn hier so unsicher sei? Antwort cosi cosi, was soviel bedeutet, wie: kann sein, kann aber auch nicht sein. Frage die Polizisten dann nach dem Weg nach San Giovanni de Rontondo (hier wirkte Pater Pio). Sie empfehlen mir, über Foggia dorthin zu fahren. Foggia ist doch auch unsicher? Si, si, cosi cosi. Ich fahre also los. Durch die Vororte von Foggia habe ich doch ein mulmiges Gefühl.
Teilweise musste ich über die Autobahn fahren, da keine andere Straße vorhanden ist. Auf der Strecke sehe ich wieder Prostituierte am Straßenrand. Diesmal sitzen offensichtlich die Zuhälter mit dabei.
Es fängt wieder an zu regnen. Muss jetzt rechts abfahren und unter der Autobahn durch eine Unterführung. Denke, dass ich mich dort für die Dauer der Schauer aufhalten kann. Weit gefehlt. Hier verrichtet eine Prostituierte gerade ihr Geschäft. Ich also weiter, und ich war mal wieder nass. Egal, die Sonne kam wieder und im Nu war ich trocken.
Unter einem Olivenbaum traf ich eine Familie mit 2 Kindern, die mich zum Picknick einlud. Sie sagte so ungefähr: mangiare il corso. Sie kamen aus Sizilien und waren zuvor am Wallfahrtsort von Pater Pio. Sie statteten mich nach dem Picknick noch mit Proviant aus (1/2 Brot, Wurst und 1,5l Wasser) und dann verabschiedeten wir uns.
Nach ca. 2- 3 km sprach ich eine ältere Frau an, die am Straßenrand stand. Sie meinte, ich soll piano machen. Wenn ich mich überanstrenge, sei ich schnell bei Pater Pio im Himmel. Ich lachte, gab ihr die Hand und verabschiedete mich. Der Weg nach Giovanni de Rontondo ist wirklich steil. Ich dachte: was tue ich mir eigentlich an? Aber, wat mutt datt mutt. Den Besuch bei Pater Pio habe ich mir richtig erkämpft.


Der Ort ist der dritt meist besuchte Wallfahrtsort der Welt, weil dort Pater Pio auch beerdigt ist. Das hat was!!!
Millionen von Menschen pilgern jedes Jahr hierhin. Heute war es aber nicht so doll. Bei Pater Pio zeigten sich die Wundmale, und er wurde 2002 heilig gesprochen. Nach dem Besuch der Kirche, des Grabes etc. fuhr ich den Weg, den ich herauf gekommen war, wieder hinunter. Allerdings nur ca. 3 km. Hier fand ich einen wunderschönen Schlafplatz. Freier Blick über die Ebene (Zelt steht ungefähr in einer Höhe von ca. 400 m). Die Riviera liegt von meinem Zelt aus in östlicher Richtung blau im Hintergrund. Einfach toll. Nachteil ist, dass es stark windig ist.
Als die Dunkelheit kam, verschwanden die Wolken und es tat sich ein wunderschöner Sternenhimmel auf. Bei uns zuhause, aufgrund der vielen Lichtquellen nicht so schön auszumachen.
12.09.2010
Gegen 6.00 Uhr aufgestanden und nach Manfredo (18 km) gefahren, um von dort aus, nachdem ich mir die Stadt angeschaut hatte, nach Foggia mit dem Zug zurück zu fahren. Das Ticket hierfür in einer Bar gekauft (2,40 Euro).
Bin im Führerstand mitgefahren, da mein Fahrrad hinter dem Führerstand untergebracht werden musste.
In Foggia in einem Hotel abgestiegen, da es heute keinen Zug nach Bari mit Fahrradbeförderung gibt. Morgen geht's dann los. Schätze entweder um 7.00 oder um 10.00 Uhr.
Habe heute leider meinen Tachometer verloren, sodass ich ab jetzt meine Kilometer-Aufzeichnungen nur schätzen kann. Bis hier nach Foggia bin ich 3100 km geradelt, habe geschoben etc., Stadtrundgänge inbegriffen. PS: Habe nach der Bahnhofswaage in Foggia 7 kg abgenommen. Fühle mich aber immer noch topfit. Der Tachometer ist wieder aufgetaucht, sodass ich meine gefahrenen Kilometer ab jetzt wieder nachhalten kann
13.09.2010
Jetzt bin ich in Bari angekommen und habe einen schönen Rundgang durch die Altstadt unternommen. Nette Leute (deutsche und italienische) getroffen. Um 20.00 Uhr fahre ich mit der Fähre nach Patras. Morgen werde ich Patras um 12.00 Uhr erreichen.
Italien, du worst joot!!!!
oder Gracia Italia
14.09.2010
…auf nach Griechenland!
Mittags bin ich in Patras (Griechenland) bei schönstem Sonnenschein angekommen.
Treffe hier zunächst auf die streikenden LKW-Fahrer. Sie protestieren gegen die EU-Öffnung für ausländische Speditionen. Ich dachte, dass sie wegen der hohen Benzin -und Dieselpreisen streiken. Später, als ich irgendwann mal bei Lidl einkaufen wollte, sah ich das Ergebnis. Es waren so gut wie keine Waren im Geschäft. Auf einer Kundeninfo (auch in Deutsch) las ich, dass wegen des Streiks keine Waren angeliefert werden.
Zum Abschied klopften mir einige Trucker kameradschaftlich auf die Schulter und wünschten mir viel Glück.
Danach fuhr ich zur Kirche des des hl. Andreas. Hier wird als Reliquie der Schädel des hl. Andreas verehrt.
Dann plane ich über Pirgos nach Olympia zu fahren. Olympia liegt ca. 110 km von Patras entfernt. Bin jetzt in Lapas, und 2 km hinter diesem Ort finde ich einen guten Schlafplatz. Baue das Zelt auf, esse noch etwas und falle in einen tiefen Schlaf. Die Nacht auf dem Schiff war zu laut zum schlafen. Fühle mich trotzdem ganz wohl.
15.09.2010
Heute führt mich mein Weg von Pirgos, nach Olympia. Hier wird alle 4 Jahre das olympische Feuer mit einem Brennspiegel (ähnlich wie Brennglas) entfacht und von dort aus dann zu dem jeweiligen Austragungsort gebracht. Schon in der Antike wurden hier in Olympia sportliche Wettkämpfe ausgetragen. Die Sportler wohnten teilweise hier und hatten außerdem entsprechende Wettkampf- und Trainingsstätten.
Natürlich: Zwei Hundeangriffe habe ich heute schon erfolgreich abgewehrt bzw. ich bin vor ihnen abgehauen. Hier laufen mehr Hunde frei herum als in Italien.
Ich habe vor Kalithea (übersetzt: gute Aussicht) einen wunderschönen Platz für diese Nacht mit einem sagenhaften Ausblick gefunden. Mutterseelenallein, nur der Mond und die Sterne über mir; auch keinen Besuch von Odysseus oder Aphrodite gehabt. Unbeschreiblich!
Mir geht es so richtig gut und ich bin rundum zufrieden mit allem, vor allem schmeckt der Wein, den ich mir für den Abend gekauft habe.
16.09.2010
Nach einer sehr schönen und ruhigen Sternennacht erst um 7:45 Uhr (eigentlich schon spät)aufgestanden (das kam vom Wein). Zunächst wieder eine kurze Abfahrt und dann mal wieder schieben. Vorbeifahrende Autofahrer hupen und grüßen.
Als ich so ca. 10 km gefahren/geschoben hatte erreiche ich eine Tankstelle, an der ich ein Kaffee bestelle und mein Handy auflade. Die junge Frau, die mich bediente, treffe ich später mit einem Kollegen als "Köhlerin", die die Holzkohle in Säcke umfüllt.
Weiter nach Kalithena. Dies ist ein kleiner Ort in den Bergen. Kaufe hier in einem Lebensmittelladen ein. Brot gibt’s aber hier nicht zu kaufen. Der junge Verkäufer bittet mich um etwas Geduld und kommt nach ca. 10 Minuten mit einem Brot, dass er in einer Bäckerei für mich besorgt hat zurück. Fand ich ausgesprochen nett.
In der Ferne braut sich ein Gewitter zusammen, sodass ich mich nach einem Schlafplatz umschauen muss. Ca. 5 km nach dem Ort Andritsena, der sehr schön restauriert wurde, finde ich eine Art Wartehalle. Dies ist besser als im Gewitter nass zu werden. Muss den Schlafplatz zunächst etwas säubern. Er ist total verstaubt. Es ist aber eine Bank vorhanden, die ich mit meinen 1,98 m Länge gut nutzen kann. Das Gewitter kam dann doch nicht. Ich musste trotzdem in diesem Häuschen bleiben, da es mittlerweile dunkel geworden ist. Die Nacht werde ich aber nie vergessen. Es kamen unzählige Plagegeister in Form von Moskitos in diese "Hütte". Trotz Gegenmittel wurde ich von vielen durch die Kleidung gestochen. Auch haben mich insgesamt 3 Hunde besucht. Gott sei dank folgten diese aufs Wort ihrer Besitzer, die mich in dem Unterstand aber nicht sehen konnten. Das Pfefferspray hatte ich immer griffbereit neben mir liegen. Habe es aber letztendlich nicht gebraucht. In dieser Nacht habe ich so gut wie nicht geschlafen.
17.09.2010
Nach dem das erste Tageslicht hinter dem Bergrücken hervorkam bin ich weiter gefahren. Nur 500 m von meinem Schlafplatz entfernt kam ich durch einen kleinen Ort, dessen Namen ich aber nicht mehr weiss. Dann folgten wunderschöne erholsame Abfahrten bis Megalopolis. Leider war es zunächst mal wieder gefühlte 10 Grad kalt. Mit zunehmendem Sonnenschein wurde es aber immer wärmer. Nach dem ich in Megalopolis auf dem Markt mich mit Lebensmittel eingedeckt hatte, verließ ich die Stadt. Da die letzte Nacht für mich nicht all zu lange dauerte, baute ich an einem ruhigen Ort, außerhalb der Stadt, hinter einem Friedhof mein Innenzelt (wegen der Moskitos und anderem Getier) auf und schlief rund 3 Stunden. Das weckte die Lebensgeister. Ich bin dann froh gelaunt weiter bis nach Meropi gefahren, wo ich einen guten Schlafplatz fand.
18.09.201
Bin auf dem Weg nach Kalamata. Habe unterwegs einen gegrillten Maiskolben gegessen der sehr lecker schmeckte. Die Dame die die Kolben an der Straße grillt und verkaufte, würzte ihn mit Salz. Hatte ich vorher noch nie so gegessen. An der in der in der Nähe plätschernden Quelle konnte ich auch meine Flaschen wieder mit frischem Wasser füllen.
Bevor ich Kalamata ereichte, genoss ich zuvor eine kilometerlange Abfahrt, bei der ich ca. 800 Höhenmeter hinab rollte. Am Strand, an dem sich nicht so viele Menschen aufhielten, ging auch ich schwimmen. Hier konnte ich mein Fahrrad so abstellen, dass ich es vom Wasser aus immer gut im Blick hatte.
Dann ist mir leider mein Fotoapparat kaputt gegangen. Nach längerem Handeln in einem Geschäft habe ich mir für einen anständigen Preis einen neuen erstanden. Benötige die Fotos u. a. auch als Gedächtnisstütze für meine Tagebuchaufzeichnungen.
Die Weiterfahrt nach Mistra bzw. Sparta gestaltete sich anstrengend. Bei sengender Sonne ca. 20 km geschoben. 700 Höhenmeter rauf, dann wieder runter und dann wieder 700 rauf. Erst dann kam ich wieder in ein Dorf. Die Straße führte im Tal entlang an steilen teils senkrecht abfallenden Felswänden vorbei. Es lagen viele Gesteinsbrocken auf und neben der Straße. Ob mein Fahrradhelm einem Steinschlag standhält? .......Nur nicht dran denken!.....und weiter.
Ein griechisch- und deutsch sprechender Spanier, der mit Tochter, Sohn, Schwiegertochter, Schwager und Schwägerin hier in einer Taverne saßen, hatten mir zur Erfrischung ein leckeres Bier ausgegeben. Vielen Dank und liebe Grüße von hier aus. Außerdem hat er mir noch "gestanden", dass ich morgen auf ca.1400 Meter muss (Schöne Aussichten) Somit kann ich mich darauf schon mal innerlich vorbereiten.
Außerhalb des Ortes finde ich einen passablen Schlafplatz. Schnell das Zelt aufgebaut, denn es ist schon 20 Uhr und die Dunkelheit wird in wenigen Minuten da sein.
19.09.2010
Jetzt fahre ich in Richtung Osten nach Mistra (Mystras) im Taygetosgebirge. Mystras wurde zum legendären Ort, weil Goethe im zweiten Teil seiner Faust-Dichtung hier Faust und die schöne Helena einander begegnen ließ.
10 Kilometer lang habe ich mich und das Rad heute auf eine Höhe von rund 1370 Meter geschoben.

Die Aussicht entlohnt mich für die Strapazen. Sitze in einem Restaurant auf der Passhöhe auf 1370 Meter und genieße meinen Frappe und eine Art Corssant mit Schafskäse.

Die Abfahrt war wieder super g....

Heute gönne ich mir ein Mittagessen, weil sonntags das Einkaufen in dieser Einsamkeit nicht möglich ist.
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Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer bis Mystra.
Weiter geht’s dann nach Sparta. Hier ist, wie die in der Literatur dokumentiert, nicht mehr viel übrig geblieben. Sparta wurde zum Ende seiner Ära dem Erdboden fast gleich gemacht.
Dies sind die Überreste des Theaters.
Nach dem ich das "alte" Sparta besichtigt hatte (das neue gefällt mir nicht), fuhr ich in Richtung Githio. Allerdings erreiche ich diese Stadt nicht mehr am heutigen Tag. Ich fand in einem Olivenhain einen geeigneten Schlafplatz. Vorher konnte ich mich und einen Teil meiner Kleidung an einer Quelle in der Nähe der Straße waschen.
20.09.2010
Wie so oft ging’s gegen 7:00 Uhr los. Richtung Githio (man spricht von der Perle auf dem Peloponnes), einem wunderschönen kleinen Ort mit vielen Sehenswürdigkeiten. Leider haben sie dort ihre Müllprobleme nicht gelöst. Wie ich in Erfahrung bringen konnte (hoffe, das stimmt), wurde bis vor kurzem der dortige Müll in einer Müllverbrennungsanlage in einer anderen Stadt verbrannt. Dieser Vertrag ist ausgelaufen oder wurde nicht verlängert, so dass die Müllsäcke zurzeit vor die Stadt geschafft werden. Der Bau einer eigenen Verbrennungsanlage wird von den Bewohnern der Stadt abgelehnt. Es stinkt fürchterlich. Ich bin nach kurzem Aufenthalt in dieser Stadt weiter nach Skale gefahren.
Über die Stadt Molei fahre ich nach Neapoli. Dies ist nun für mich der südlichste Punkt meiner Reise. Unterwegs fällt mir auf, dass ich mich mit Bargeld versorgen muss. Fahre deshalb in den Küstenort Piytra in der Hoffnung, dort einen Bankautomaten zu finden. Leider war das ein Satz mit X. Der nächste Automat steht in Neapoli. Die zuvor rasante Abfahrt musste ich auf dem Rückweg wieder "erklimmen".
Kam dann an einem Haus vorbei, vor dem ein Fischer sein Boot restaurierte. Den Jungen Mann fragte ich nach dem Weg Richtung Neapoli. Er meinte, das sei noch sehr weit weg von hier (ca. 25 Km).
Dorthin schaffte ich es an diesem Tag nicht mehr. Ich finde einen schönen Platz mit Blick auf das Meer wo die Sonne rot unter- und der Mond aufging.
21.09.2010
Fahrt nach Neapoli. Hier gibt es einen schönen Strand mit Süßwasserduschen. Genoss das Schwimmen im etwa 24 Grad warmen Wasser. Konnte einen Teil meiner Sachen waschen. Ein älterer Grieche regte sich darüber etwas auf, da ich natürlich Seife verwendete. Diese spezielle Outdoorseife ist aber biologisch abbaubar und extra für Touren, wie ich sie mache, hergestellt. Der ältere Herr redete sich aber so in Rage, dass ich ihn links liegen ließ. Habe ihm aber in English zu verstehen gegeben, dass er sich über die Seife erst dann aufregen kann, wenn der Müll und die vielen Plastikflaschen entlang der meisten Straßen in Griechenland verschwunden sind. Das wäre eher ein Grund sich aufzuregen
Nach ein paar Stunden bin ich zurückgefahren an einen schönen gelben Sandstrand gegenüber der Insel Elafonisos.
Da hier aus meiner Sicht ein paar merkwürdig anmutende Typen ihre Zelte aufgeschlagen hatten, entschied ich mich Richtung Monemvassia weiter zu fahren. Hierzu musste ich einen Teil des Weges zurücklegen, den ich bei der Hinfahrt schon befahren hatte. Unterwegs kaufte ich an einer Tankstelle Wasser und eine Cola. Im Gespräch mit dem Tankwart empfahl mir dieser über Ai Mammas zu fahren, Das seien zwar 7 km den Berg hoch aber danach hätte ich "freie" Fahrt bis Monemvasia. Ansonsten müsste ich rund 30 km Umweg fahren. Ich folgte dem Tipp und schob mal wieder. Das Dorf Aghios Mamas liegt ca. 500 m hoch. Bevor die Dunkelheit kommt finde ich einen einigermaßen passablen Schlafplatz.
22.09.2010
Um 5.00 Uhr werde ich durch den Schuss eines Jägers geweckt. Mich hat zum ersten Mal so richtig die Angst gepackt, weil es noch dunkel ist und man mich nicht sehen kann. Ich ziehe meine gelbe Warnweste an in der Hoffnung, so gesehen zu werden und versuche, mich durch Rufen bemerkbar zu machen. Durch den starken Wind kann man mich vermutlich nicht hören. Eine Stunde muss ich warten bis es hell wird und mich der Jäger sieht. Er kommt sofort auf mich zu. Ich zeige ihm mein Zelt und er grinst, gibt mir die Hand... Jassus. Dann baue ich das Zelt ab und fahre nach Monemavesi.
Diese alte historische Stadt ist auf einer Insel, die aber über eine kleine Brücke erreichbar ist, an den Fels gebaut. Es gibt eine Ober- und Unterstadt. An vielen Stellen wird noch restauriert. Die Wege in der Stadt sind nur ca. 1,50 m breit und mit groben Steinen gepflastert. Leider darf ich die Stadt nicht mit dem Fahrrad betreten. Ich habe mich mit einem Bediensteten "angelegt", da ich nicht einsehen wollte, dass ich morgens um 9:00 Uhr, wo so gut wie kein Besucher in der Stadt war, mein Fahrrad nicht durch die Unterstadt schieben durfte. Selbst die Anwohner, die den "Streit" ja mitbekommen hatten, verstanden die Entscheidung des Herrn nicht. Sie machten noch den Vorschlag, das Fahrrad in einem leer stehenden Shop unter zubringen. Der Herr, ich nenne ihn mal Großkotz, ließ nicht mit sich reden. Bin dann unverrichteter Dinge weiter gefahren und hatte bestimmt eine Stunde eine fürchterliche Wut im Bauch. So nach und nach verflog sie aber. Wenn meine Frau nach dem 17. Okt. da ist, fahre ich mit ihr per Auto noch einmal dort hin.
Jetzt fahre ich Richtung Molei und finde außerhalb der Stadt einen Platz für den Zeltaufbau.
23.09.2010
Nachdem ich am Morgen meine Sachen gepackt hatte, fällt mir auf, dass der Vorderreifen meines Fahrrads zu wenig Luft hat. Habe zum Flicken aber keine Lust und pumpe den Reifen, in der Hoffnung, dass er den Tag über hält, auf. Er hält den ganzen Tag.
Mein Weg führt mich zurück nach Sparta und weiter nach Tripoli bzw. nach einer schönen Abfahrt weiter nach Astros.
Hier gibt es einen Strandabschnitt mit feinem Sand und der Möglichkeit das Zelt auf zu schlagen. Es gefällt mir ganz gut hier. Ich beschließe hier ein paar Tage zu bleiben, zumal ich irgendwie keine Lust mehr verspüre weiter zu fahren. Ich denke, eine Pause tut meinem Körper und der Seele ganz gut.
24.09.2010 bis 26.09.2010
Ich gönne mir ein paar Tage Ruhe und verbringe meine Zeit mit Schwimmen, Schlafen etc.
In der Stadt habe ich mir etwas Obst und andere Lebensmittel u. a. auch mal wieder eine Flasche Wein gekauft und genieße die Tage.
27.09.2010
In Nafplio, die übrigens die erste Hauptstadt des neuen Griechenlands war, mache ich einen Stadtrundgang und überlege, ob ich mich nach Arkadien abstrampeln oder nach Mykene fahren soll.
Nachdem ich mich mit Lebensmitteln wieder eingedeckt hatte (übrigens: Lidl ist wieder aufgefüllt), entscheide ich mich für Mykene. Über Thyrins und Argos geht's hoch nach Mykene.
Von Mykene aus fahre ich noch ca. 5 km und finde einen guten Schlafplatz. Ich baue das Zelt auf und kaufe bei einem Griechen, der einen Verkaufstand am Straßenrand aufgebaut hatte, eine Flasche Wein. Er verlangt 4 Euro, was ich für zu teuer empfand. Er packte mir, wie auf der Kirmes der "Billige Jakob", jede Menge Obst, Tomaten etc. in eine Tüte, so dass der Preis dann wieder gerechtfertigt erschien. Meine Frage ist:
"Wie kriege ich das morgen transportiert? In einer geschätzten Höhe von ca. 500 m zieht ein Hirte mit seinen Ziegen entlang des Höhenzugs, an dessen Fuß ich mein Zelt aufgeschlagen hatte, langsam Richtung Osten. Ein Hund bellt permanent
Eine Stunde, kann auch mehr gewesen sein, steht der Hund plötzlich in nur ca. 200 m Abstand vor mir und macht sich durch Bellen und Hin- und
Herennen bemerkbar. Ich denke nur: Bleib bloß da". Zur Vorsicht hole ich das Pfefferspray aus der Tasche. Der Hirte pfeift, schreit von der Höhe her und nach einiger Zeit - Gott sei Dank - reagiert der Hund. Dann ist Ruhe. Ich genieße die letzen Sonnenstrahlen und den Wein.
Dann schlafe ich tief und fest bis zum Morgen.
28.09.2010
Erreiche Korinth und plane weiter Richtung Patras zu fahren. In Korinth besichtige ich die Brücke, die über dem Kanal auf Wasserebene liegt und bei der Durchfahrt eines Schiffes 12 m unter den Wasserspiegel gedrückt wird. Außerdem besuche ich Akrokorinth, wo der hl. Paulus gepredigt haben soll. Da ich die antike und römische Anlage schon 2 mal besucht habe, besichtige ich sie ein drittes mal natürlich nicht. Möchte aber gerne ein Foto von der Anlage und mir mit Fahrrad machen. Dazu hätte ich mich 2 - 3 Meter im Bereich des Ausgangs auf das Gelände begeben müssen. Das Aufsichtspersonal lässt dies aber nicht zu. Dies pflegelt sich lieber auf der Bank herum und schwadronieren. Es ist schon kleinlich, wie man sich hier und auch an anderen Ausgrabungsstätten verhält. Ich kann nur sagen, würde man dieses Verhalten konsequent auf andere Bereiche in Griechenland übertragen (Beispiel: Müllbeseitigung entlang vieler Straßen) hätte ich ja Verständnis für solch ein Verhalten. Was solls, kann mich Gott sei dank nur kurzzeitig darüber aufregen. Möchte mir meine gute Laune nicht durch solche kleinbürgerlichen Gebaren vermiesen und fahre weiter. Ein Junge aus den Niederlanden, der auf Klassenfahrt ist, fotografiert mich dann vor dem Gelände außerhalb des Sicherheitszauns.
Bald hätte ich es vergessen: Unterwegs nach Korinth schenkt mir ein Bäcker ein Brot. Mit ihm hatte ich mich über meine Tour unterhalten.
Von Korinth, das übrigens jetzt eine schöne Fußgängerzone hat, fahre ich bis kurz vor Xilokastro und finde unterhalb der Straße, am Strand einen schönen Platz um das Zelt aufzuschlagen.
Mir fiel bei der Fahrt Richtung Patras auf, dass die Dörfer, die an der Küstenstraße, die so ca. 20 km von Korinth entfernt liegen, sehr sauber sind. Es gab kaum Unrat, wie beispielsweise Plastikflaschen am Rande der meisten Straßen die ich befahren hatte. Auch das "wilde" Abkippen von Müll in der Landschaft, sei es Bauschutt oder anderer Sperrmüll ist ja in Griechenland nach meinem Eindruck "ganz normal", ist mir an dieser Küste nicht aufgefallen. In einem Dorf gab es sogar eine Kehrmaschinen.
Kritiker werden jetzt bestimmt sagen, dass es auch in Deutschland wilde Müllkippen und Unrat entlang der Straße gibt. Ich stelle dass auch nicht in Frage und empfinde auch dieses als ungeheuerlich. Trotzdem ist es in Griechenland und auch an vielen Stellen in Italien immens schmutzig.
29.09.2010
Es geht immer weiter Richtung Patras. An einer Winzerei beobachte ich wie Trauben angeliefert werden. Ich gehe neugierig dorthin, beobachte das ganze und komme mit den Leuten ins Gespräch. Einer der Arbeiter, er ist Albaner, kann etwas Deutsch (z.B. Borussia Dortmund, Philipp Lahm, Schweinsteiger und Ballack). Als ich den 1. FC Köln nenne, zeigt sein Daumen nach unten. Ich sagte: "Pass bloß ob!" - er versteht es ja nicht-. Die Besitzerin kommt hinzu und wir können uns in Englisch etwas besser verständigen. Sie meinte, dass Aldi einen Teil der Weinausbeute kauft (NEMEA). Sie selbst produzieren so ca. 500.000 Liter. Der Alkoholgehalt liege so bei 12, 5 bis 13 % Alkohol.
Dann fahre ich weiter nach Diakopto. Hier fährt die Bahn in atemberaubenden Windungen ins Gebirge nach Kalavryta ab. In Kalavryta ist ein Mahnmal für über 600 Zivilisten, die im 2. Weltkrieg aus Rache hingerichtet wurden. Hintergrund war, dass gefangen genommene deutsche Soldaten, von griechischen Partisanen erschossen wurden.
30.09.2010
Kämpfe mich fast 30 km gegen den Wind nach Patras. Die Strecke ist nicht besonders schön, da hier die bestehende Autobahn erweitert wird und die alte Nationalstraße in unmittelbarer Nähe verläuft. Das bedeutet jede Menge LKW-Verkehr, Dreck und Lärm. Ich erreiche aber Patras ohne Blessuren. Hier schließt sich jetzt für mich der Kreis, den Peloponnes so gut wie umrundet zu haben.
Fahre über die Brücke, die über den Golf von Korinth führt.
Da ich keine Möglichkeit finde, mit dem Fahrrad den Fußweg zu erreichen, fahre ich auf der Brücke dort, wo ich auch sonst immer fahre, nämlich rechts neben dem Begrenzungsstreifen der Fahrbahn. Arbeiter auf der Brücke geben mir zu verstehen, dass es nicht erlaubt ist, dort zu fahren, bzw. das Fahrrad zu schieben. Ich hebe es aber keine 1,50 m über das Geländer und ignoriere die Zeichen. Ein Fahrzeug der Strassen- oder Brückenwacht kommt auf der gegenüberliegenden Seite mit Blaulicht und gibt mir ebenfalls zu verstehen, dass ich dort wo ich bin nicht sein darf. Bis der auf meiner Seite ist, habe ich die Brücke überquert. Unten kommt mir ein Mann entgegen und palavert, das sei sehr gefährlich gewesen, was ich da getan hätte. Ich sagte ihm, dass es ist viel gefährlicher sei, die anderen Straßen in Griechenland mit dem Fahrrad zu befahren als diese Brücke. Sie kostet Maut und ist nur gering befahren. Der Mann grinst, was für mich bedeutet: "Du hast ja recht". Jetzt fahre ich Richtung Itea und dann nach Delphi.
01.10.2010
Heute habe ich es bis nach Itea geschafft. Nachfolgend ein paar Impressionen:
Am Ortsausgang von Itea mit einigen Griechen, die offensichtlich Mittagspause hatten, ein leckeres Bier getrunken und viel erzählt. Einer war Autoschlosser. Er hat mir den Namen seiner Frau aufgeschrieben und bestand darauf, sie an der Information im Museum in Delphi zu besuchen. Dem anderen, er fungierte als Dolmetscher, gehört nach Bekunden der anderen eine große Olivenplantage. Er pries diese als die Besten der Welt an. Ich musste die Oliven probieren. Er hatte vor sich einen kleinen Teller mit Oliven, Tomaten und Schafskäse. Das ganze dann mit Olivenöl beträufelt. Ich kann nur sagen: Es schmeckte wirklich köstlich. Leider war nur noch wenig davon da. Der Dritte im Bunde konnte ich nicht so verstehen. Er hatte wohl etwas zuviel Ouzo getrunken.
Nach dem ich mich von den Drei verabschiedet hatte, fuhr ich Richtung Delphi durch die dortigen Oliveplantagen. Nach ca. 4 km war der Vorderreifen nun wirklich platt. Hatte ja lange gehalten.
In einer Gärtnerei, die nicht weit von der Stelle wo ich den Reifen flicken wollte lag, bot man mir an, den defekten Schlauch ins Wasser zu tauchen um das Loch zu finden. Es ging dann sehr schnell. Loch gefunden, geflickt und weiter. 11 km vor Delphi schlage ich mein Zelt auf. Da Delphi im Gebirge liegt, bedeutet das morgen nur noch schieben.
02.10.2010
Nachdem ich aufgestanden bin, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass das Vorderrad wieder platt war. Zuerst habe ich den Schlauch auf ein 2. Loch hin untersucht. Durch Zufall, ich hielt den Schlauch an meine nassen Lippen bzw. an ein Auge, spürte ich einen sanften Luftzug. Dadurch konnte ich das Loch im Schlauch lokalisieren und entsprechend flicken. Anschließend wie zuvor schon erwähnt 11 Kilometer schieben. Ach diese Berge..... ich liebe sie!!
Als ich Delphi erreichte, habe ich auf einem Campingplatz am Ortseingang einen Frappe getrunken. Außerdem hatte ich hier die Möglichkeit, mich nach dem anstrengenden Aufstieg vom Schweiß zu befreien, sprich zu waschen. Eine Wohltat.
Dann ab in die Stadt. Zunächst mal wieder mit Lebensmittel versorgt. Ich kann ja nicht für mehrere Tage einkaufen, da mein Platzangebot am Fahrrad begrenzt ist. Dann zum Museum bzw. zur Ausgrabungsstätte. Da ich hier schon einmal war, konnte ich mir den Besuch dort sparen. Es waren viele Menschen vor dem Museum und vor dem Eingangsbereich der Ausgrabungsstätte. Ein Herr aus Taiwan (Awusow- wenn ich ihn richtig verstanden habe, war das sein Vorname) sprach mich an und fragte das, was eigentliche immer alle so fragen. Er war Reiseleiter eine taiwanesischen Gruppe, die aber zur Zeit bei den Ausgrabungen unterwegs war. Er bat um ein gemeinsames Foto, dass ich nach dem
1. November auf meiner Internetseite einstellen werde. Er möchte es dann seiner Frau zeigen.
Auch mit einem amerikanischen Ehepaar aus Ohio kam ich ins Gespräch. Sie waren letztes Jahr in Köln auf dem Weihnachtsmarkt. Er lernte dort die deutschen Wörter:" LECKER KÖLCH". Das war insgesamt schon lustig und interssant hier in der Nähe des Orakels. Leider hat mir aber das Orakel nicht die richtigen 6 Zahlen des deutschen Lottos geflüstert.
Nach einer Weile ging es dann am antiken Gymnasium und den Resten des Tempels der Hera vorbei bergauf nach Arachova. Hier waren wiederum so 12 km Bergauf zu bewältigen.
Nach einiger Zeit fing es an zu regnen. Da das Profil unter meinen Schuhen total verschließen war, rutsche ich auf dem nassen Asphalt aus, wie auf Glatteis. Ergebnis dieses Regens war, dass ich auf 3 km 2 Autounfälle sah, bei denen die Autos einen Totalschaden erlitten. Die Polizei war auch bereits dort. Mir gegenüber äußerte ein Polizist nur: to fast!
An einer Tankstelle habe ich mich untergestellt und das Ende des Regens abgewartet. Der Tankstellenbesitzer erzählte, dass er im Juni 2010 mit Freunden und ihren Motorrädern in Baden-Baden waren. Im nächsten Jahr möchte er unbedingt mal auf dem Nürburgring fahren. Außerdem findet er deutsche Autobahnen super toll.
Nach dem netten Gespräch erreichte ich Arachova, eine Stadt im Parnass-Gebirge in ca. 900 m Höhe. Dieser Ort lebt überwiegend vom Wintersport.
Anschließend bin ich ca. 15 oder 16 Kilometer den Berg herunter gefahren. Es war während der Fahrt sehr kalt. Bis in die Nähe von Livadia bin ich gekommen.
In der Ebene hatte der Regen aufgehört und die Temperaturen waren deutlich wärmer. So habe ich mich dann wieder in die Büsche geschlagen und mein Nachtlager aufgebaut.
03.10.2010
Thiva habe ich besucht. Auf den Feldern eine Pause gemacht.
Ich befinde mich in einer Gegend, in der Baumwolle angepflanzt wird. Die Leute waren heute bei der Ernte. Man hat mir den Vorgang zur Baumwollgewinnung erklärt, was sehr interessant war. Alles wurde von mir mit Fotos festgehalten.
Ansonsten war es ein langweiliger Tag, weil die Straße immer nur geradeaus führte.
Ein schönes Erlebnis hatte ich noch mit einem Biobauern, den ich aufsuchte. Leider hatte er keine Äpfel. Ich nahm mir drei Tomaten und er sagte: "Das ist frei." Die Tomaten habe ich sofort gegessen und mich verabschiedet. Er rief hinter mir her und als ich zurück bin, gab er mir noch drei Tomaten.
Jetzt befinde ich mich gegenüber der Insel Euböa und mache alles für die Nacht klar.
Ich fühle mich wohl und grüße alle.
Das Zelt habe ich wieder abgebaut. Ein Mann stand vor mir und sagte, dass es in dieser Gegend viele Schlangen gäbe. Also ziehe ich fünf Kilometer weiter und schlage mein Zelt erneut auf unter einem schönen Feigenbaum.
04.10.2010
Heute Morgen ist alles in Ordnung.
Ich habe die Brücke nach Euböa passiert. Die erste Brücke wurde hier 410 v.Chr. erbaut. In der Antike wunderte man sich schon über den ungewöhnlich stark ausgeprägten Gezeitenwechsel an dieser Stelle. Interesse erregte und erregt heute immer noch, dass die Strömung hier häufig und plötzlich die Richtung wechselt bei gleich bleibender Stärke.
15 oder 18 Angler stehen hier und warten auf reiche Beute.
Die Hauptstadt der Insel Chalkida habe ich besucht. In dieser Stadt starb 322 v. Chr. der Philosoph Aristoteles.
In der Nähe der Stadt Eretria habe ich geschlafen.
05.10.2010
Jetzt mache ich mich auf den Weg nach Athen. Hier auf der Insel soll es ab heute regnen. Das geben mir die Einheimischen zu verstehen. Der Himmel sieht auch danach schon aus. Auf dem Peloponnes hoffentlich nicht.
Die Ankunft in Athen hatte ich eigentlich 2 Tage später geplant. Aber von der Insel Euböa kommend habe ich mich mal wieder derart verfahren, dass ich letztendlich in Athen "landete".
Die Fahrt in die Stadt hinein war eine Wucht. Trotz starken Verkehrsaufkommens ging es flott und stetig bergab durch die verschiedenen Stadtteile. Insgesamt bin ich bis jetzt 4.500 Kilometer mit dem Fahrrad gefahren.
Athen:
Hurra, habe mein Ziel erreicht!
Nach dem Besuch der Stadt und der Akropolis fahre ich nach Piräus weiter um von dort evt. noch eine Fähre zur Insel Aegina zu erhalten. Leider ging an diesem Tag nichts mehr. So musste ich weiter fahren um noch einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Ich fuhr also Richtung Korinth. Je weiter ich mich vom Stadtkern Piräus entfernte, je unansehnlicher wurde der Straßenrand. Soviel Dreck und Unrat im öffentlichen Verkehrsraum habe ich noch nie gesehen. Das war bisher für mich das härteste. Es ist nicht zu beschreiben, wie es dort aussieht. Sehen die dortigen Menschen oder die Verantwortlichen so etwas nicht? Was sind das für Leute, die ihren Dreck einfach so abkippen. EKELHAFT!!
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit finde ich oberhalb einer, aus meiner Sicht, wilden Müllkippe, einen einigermaßen passablen Schlafplatz.
06.10.2010
Bis 15 Kilometer südlich von Korinth führte mich heute meine Route. Unterwegs treffe ich einen Fahrradfahrer aus Bulgarien. Er ist auch alleine und bereits seit Februar 2010 unterwegs. Von Istanbul aus gestartet hat er das Mittelmeer umrundet. Setze demnächst sein Bild auf diese Seite. Auch er ist fast am Ende seiner Reise angekommen. Er will noch nach Athen und dann nach Kreta. Von dort aus dann nach Istanbul. Bis heute hat er rund 22.000 km in den Beinen.
Leider hat mich das schlechte Wetter eingeholt. Ich liege im Zelt und es knallt um mich herum und regnet in Strömen. Dank einer Zusatzplane bleibe ich aber trocken.
07.10.2010
Nach rund 40 Kilometern bin ich völlig durchnässt in Ephidavros angekommen. Gabi und Tassos Pavlou haben mich herzlich begrüßt.
Ich kam zur rechten Zeit, denn es gab als Mittagessen eine leckere warme Suppe.
Ab 17.10.2010 werden wir hier 13 Tage Urlaub machen. Schauen Sie doch mal rein!
Morgen kann ich noch hier bleiben.
Meine Klamotten habe ich auch mal gewaschen.
08.10.2010
Heute nur gefaulenzt. Am Fahrrad die Kette gewechselt. Das war alles. Morgen geht's weiter.
09.10.2010
Meine geplante Route war: Methana, Insel Poros und evtl. Hydra. Entgegen der vorgesehenen Route bin ich nach Nafplio, auch Nauplion (neugr. Ναύπλιο(ν)), in der Antike Nauplia genannt, gefahren. Hier gibt es eine Fahrradwerkstatt, die ich aufgesucht habe, weil mit meinem Kettenschloss etwas nicht stimmt.
Somit mache ich die Route in umgekehrter Reihenfolge.
10.10.2010
Am Strand von Iria habe ich übernachtet. Morgens bin ich in das Örtchen gefahren. An einem Kiosk habe ich einen netten älteren Herrn getroffen, der nach vielen Jahren in Berlin vor 26 Jahren zurückgekehrt ist und dadurch Deutsch sprach. Eine Stunde haben wir uns angeregt unterhalten.
Anschließend wieder einige Kilometer geschoben. An einem Bildstock (Heiligenhäuschen) habe ich eine Familie mit zwei Kindern getroffen. Die kleine Tochter (fünf oder sechs Jahre alt) redete ununterbrochen auf mich ein. Die Frau konnte etwas Englisch, so dass es mit einer Unterhaltung klappte. Ich habe die Familie fotografiert und ihnen gesagt, wo sie ab 1. November das Foto finden können. Sie boten mir an, mich mit dem Fahrrad auf dem Pickup mitzunehmen, was ich dankend ablehnte.
Den Pass musste ich dann ca. 3 Kilometer hoch schieben. Als ich die Höhe erreichte, winkte mir die Familie zu, die dort zu Besuch war ("Wäre ich doch mitgefahren!")
Die lange Abfahrt war bedeutend angenehmer. Nach 30 Kilometern und wieder schieben erreichte ich Kranidi. Einen Schlafplatz habe ich auch gefunden. Fünf Stunden hat es geregnet und es war kalt.
11.10.2010
Heute soll das Wetter schön und wärmer werden.
Das erste Mal in "freier Wildbahn" hatte ich heute eine Begegnung mit einer Schlange, die etwa 80 bis 100 cm lang und beige-grau war. Sie wollte sicher die Straße überqueren und wir haben uns beide wahnsinnig erschrocken. Sie kam von der Seite etwa einen Meter vor mir. Der Schreck fuhr mir in die Glieder. Was es für eine Schlange war und ob sie giftig war??? Habe keine Ahnung.
Ich bin jetzt einige Kilometer vor Galatas gegenüber der Insel Hydra. Hier gibt es im Bereich des Anlegers der Personenfähre ein ganz uriges Geschäft/Taverne. Man kann hier Lebensmittel einkaufen oder einen Kaffe trinken. Auch kleine Snacks werden angeboten. An den Wänden hängen Bilder von Fußballmannschaften (Otto Rehagel ist nicht dabei). Dazwischen Ikonen. Auf einem großen Flachbildschirm kann man das Fernsehprogramm verfolgen. Es sieht alles ein bisschen chaotisch aus. Trotzdem hat es ein besonderes Flair.
12.10.2010
Mein Zelt habe ich auf der Halbinsel Methana aufgestellt. Es nieselt, aber es ist nicht mehr so kalt wie die letzten Tage.
Heute tut sich nichts mehr und ich habe hier so gut wie keinen Handy-Empfang. Baue deshalb aber nicht das Zelt wieder ab.
13.10.3010
Die Hauptstadt der Halbinsel Methana trägt den gleichen Namen und ist bekannt durch ihre Thermalbäder. Auf der Halbinsel ruhen ca. 30 Vulkane. Den ersten Vulkanausbruch gab es 230 v. Chr. Darüber berichteten schon antike Schriftsteller wie u. a. Ovid usw.
Jetzt habe ich auch wieder Handy-Empfang. Die Temperatur ist wärmer; alles andere: na ja! Der Himmel sieht aus, als würde die Welt untergehen. Ich werde die Halbinsel aus diesem Grund nicht umrunden und überlege jetzt mal, was ich weiterhin machen werde.
Fahre fast den gleichen Weg zurück und bewege mich Richtung Ephidavros. Am Rand der Straße dann gegen Abend einen passablen Platz für mein Zelt gefunden und einigermaßen ruhig geschlafen.
14.10.2010
In der Nacht ein starkes Gewitter bis ca. 6.30 Uhr. Es regnete in Strömen. Bin aber selbst, dank der zusätzlichen Plastikplane trocken geblieben.
Nachdem Aufstehen dann Richtung Ephidavros aufgebrochen und mein Rad nur geschoben. Nach einer schönen Abfahrt bin ich in der Nähe von Ligourio angekommen. Von hier sind es ca. 5 km bis zu dem bekannten Theater Ephidavros mit seiner sagenhaften Akustik. Auch die Größe des Theaters ist überwältigend.
Außerdem gab es hier eine „Kureinrichtung“ in der Asklepius gewirkt haben soll.
Habe ca. 4 km vom Theater weg einen Schlafplatz gefunden. Ein Gewitter braute sich zusammen das dann so ab 15.30 Uhr losging. Trotz sintflutartigen Regenfällen blieb ich im Zelt trocken. So etwas habe ich noch niemals im Leben erlebt. Gegen Abend klärte sich der Himmel auf und es gab eine sternenklare Nacht.
15.10.2010
Um 7.00 Uhr aufgestanden und wie immer alles verpackt. Dann wieder nach Ligourio gefahren. Hier in einem Cafe gefrühstückt und das Handy aufgeladen. Anschließend in einer "Schussfahrt" nach Ephidavros auf den Campingplatz. Eigentlich hat er schon geschlossen, aber es sind noch einige Arbeiten für die "Winterzeit" bzw. auch schon für den Start im nächsten Jahr zu erledigen. Deshalb war der Besitzer noch dort und ich kann das Zelt aufschlagen.
Gegen Abend braut sich dann mal wieder ein Unwetter zusammen. Der Besitzer bot mir an, in einem Zimmer zu übernachten. Gerade als ich das Zelt und das Fahrrad trocken untergebracht habe krachte und donnerte es und es ergießt sich eine Regenmenge über das Land, wie man es sich in unseren Breitengraden kaum vorstellen kann. Ich sitze im Trocknen und bleibe es auch in der Nacht. Deshalb von hieraus ein herzliches Dankeschön an den Campingplatzbesitzer.
Ab morgen ist ein zweiwöchiger Urlaub angesagt.
16.10.2010
Habe gestern bei unseren Vermietern der Ferienwohnung angerufen und nach dem frühesten "CHECK IN" Zeitpunkt gefragt. Ab 9.00 Uhr war die Wohnung frei. Bin dann noch zum Einkauf der Grundversorgung gefahren und stand um 10.00 Uhr bei Gabi und Tassos vor der Tür.
Nachdem ich meine Ausrüstung zunächst auf dem Balkon deponiert hatte (man kann sich sicher vorstellen, dass diese nach fast 3 Monaten schmutzig, nicht mehr geruchsfrei etc. war) und eine erfrischende Dusche genommen hatte, bereitete ich mich auf die Fahrt zum Flughafen Athen vor. Hier kam ja Ruth, meine Frau, am 17.10. um 10.20 Uhr an.
Da es an dem Sonntag keine Busverbindung gab, die um diese Zeit Athen erreicht, fuhr ich also heute schon los. Um 18.30 Uhr ab Ephidavros, Ankunft Athen Bushof ca. 21.00 Uhr. Der Bus war ungefähr (die Betonung liegt auf ungefähr) um diese Uhrzeit auch dort. Dann weiter mit einem kommunalen Verkehrsunternehmen in die Innenstadt. Hier bin ich zunächst Richtung Plaka gegangen und habe mir das Treiben der Menschen angesehen bzw. mich von ihnen anstecken lassen. Die Luft war warm und die Leute alle sehr gut gelaunt.
Gegen 24.00 Uhr bin ich mit der Metro zum Flughafen gefahren und habe mir dort die Nacht um die Ohren gehauen. Auf diesem Flugplatz ist aber die ganze Nacht "Betrieb", so dass die Zeit schnell verging.
17.10.2010
Der Flieger kam pünktlich und ich konnte meine Frau bzw. sie auch mich in die Arme schließen. Das Mietauto war bereits in Deutschland gebucht, so dass wir es nur noch abzuholen brauchten. Dann ging die Fahrt über Korinth nach Ephidavros und der Urlaub konnte beginnen.
Erst am 30.10.2010 ging es mit dem Flugzeug inkl. Fahrrad zurück nach Bonn. Hier wurde ich von einem Teil der Familie mit riesigem Plakat und Sekt empfangen. Vielen Dank dafür. Ich war total überrascht.
Insgesamt war diese Tour sehr ereignisreich, nicht immer ungefährlich und wird mir als ein unvergessenes Erlebnis im Gedächtnis bleiben.
An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mich bei meiner Tour in jeglicher Form unterstützt haben. Es war ein tolles Erlebnis für mich, das ich ohne die Unterstützung vieler Freunde und Bekannten so nicht hätte durchführen können. Deshalb
Danke!
Grazie!
Efcharisto!